XXXVI: Bewegte Beobachter

von Kirsten Kramer
Geoindex: Pacific Railroad ab San Francisco
zu Kapitel XXVI des Romans (französisch/deutsch)

Die globale Erkundung der Welt erfolgt in In achtzig Tagen um die Welt nicht nur mittels der verkehrstechnisch gesteuerten Bewegung der Reisenden durch den terrestrischen Raum, sondern vollzieht sich zugleich über variierende Formen der Weltwahrnehmung und ‑beobachtung der beteiligten Protagonisten. Der Roman gestaltet durchgängig komplexe Beobachtungsverhältnisse, die die Asymmetrien moderner Welterfahrung offenlegen und in der Alternanz divergierender Modi der Wahrnehmung von Welt die georäumliche Erkundung der Erdoberfläche auf eine spezifisch ‚wissenschaftliche’ Dimension (Serres 1974) öffnen, die sich vor allem im Kontext der reflexiven Offenlegung der kulturellen, sozialen und epistemischen Voraussetzungen dokumentiert, welche der Entstehung der Weltnetzwerke unter den Bedingungen terrestrischer Globalisierung zugrunde liegen.

Die Komplexität des Weltbezugs der bewegten Beobachter manifestiert sich in sinnfälliger Form bereits an Phileas Fogg: Einerseits repräsentiert er den Typus des „blinden Passagiers“, dessen Bezug zur empirischen Außenwelt sich auf sein „bloßes Durchquerungsinteresse“ (Sloterdijk 2005, 66) reduziert und der im bewussten Verzicht auf jede topographisch fundierte Erfahrung als prototypische Verkörperung der topologischen Struktur der Netzwerke im Zeitalter des modernen Weltverkehrs in Erscheinung tritt. Dies wird nirgends deutlicher als in den Beschreibungen, die aus der affektiven „Gelassenheit“ (ATW, Kap. 9, 53) und der strikten Befolgung automatisierter Alltagsrituale Vergleiche seiner Person mit einem „Chronometer“ (ATW, Kap. 9, 53) oder einer „astronomischen Uhr“ (ATW, Kap. 10, 62) ableiten oder ihn als einen „Maschinen-Menschen“ (ATW, Kap. 2, 12f.) präsentieren, der nicht nur einen unverbrüchlichen Glauben an die technische Funktionslogik des Netzwerks bezeugt, sondern dessen geregelte Operationsmodi zudem ganz unmittelbar in seiner Person zu verkörpern scheint.

Gleichwohl gilt es historisch zu differenzieren: Ausgeblendet bleibt in der vorbehaltlosen Identifikation des weltabgewandten Beobachters mit der technischen Operationalität der Netzwerkstrukturen des modernen Weltverkehrs deren Verankerung im Zeitalter des „kinetischen Expressionismus“ (Sloterdijk 2009); dieser beruht auf der Operationalität thermodynamischer Energiekreisläufe (Serres 1975, Stengers 2003, 89-165), die die Funktionsweise der zeitgenössischen Transporttechniken der Eisenbahn und Dampfschifffahrt kennzeichnen und die Prinzipien der klassischen Mechanik Newtonscher Prägung wie die Annahme der geregelten Repräsentierbarkeit und Verfügbarkeit einer vorgängig gegebenen Natur unwiderruflich verabschieden. Als Inkarnation eines „Körpers“, der den „Gesetzen der Mechanik“ (ATW, Kap. 11, 67 f.) folgt, repräsentiert Fogg mithin ein letztlich anachronistisches Modell wissenschaftlich-technischer Rationalität, das im Glauben an die störungsfreie Regelhaftigkeit maschineller Prozesse noch einmal das Ordnungsparadigma der klassischen Mechanik aufruft, welches der komplexen Eigendynamik moderner Verkehrstechniken indes nicht mehr gerecht zu werden vermag, da diese sich stets im prekären Spannungsfeld von Selbsterhaltung und drohender entropischer Selbstverzehrung bewegen.

Dieser deterritorialisierenden Weltbeobachtung des armchair traveller steht im Roman ein gänzlich anderer Modus der Wahrnehmung von Welt gegenüber, der paradigmatisch von Passepartout verkörpert wird und ebenfalls in einen ambivalenten genealogischen Bezug zu früheren Phasen terrestrischer Globalisierung tritt. Passepartouts Beobachtergestus zeichnet sich durch ein welthaltiges, touristisches Sehen aus, das sich weniger auf die globalen Funktionsmechanismen der Verkehrstechniken als auf die lokalen Besonderheiten der bereisten Orte bezieht und die perzeptive Erschließung der Welt einerseits im Modus des ‚Flanierens’ (ATW, Kap. 8, 46), einem plan- und ziellosen parcours durch städtische Räume vollzieht (Moser 2009), der sich der konstitutiven Zielorientierung und globalen Verbindungslogik der netzwerkgebundenen Transporttechniken deutlich widersetzt. Andererseits steht Passepartouts Erkundung fremder Städte im Zeichen der curiositas (ATW, Kap. 9, 58), die eine sinnliche, mit „Augen“ und „Ohren“ vollzogene Weltwahrnehmung (ATW, Kap. 10, 64), eine empirische Erschließung der Welt bedingt und gerade in dieser Aufmerksamkeit für das unbekannte „Neue“ (ATW, Kap. 9, 58) einen indirekten Rückbezug zur Expansionsdynamik der frühneuzeitlichen Entdeckungsreisen im Zuge der Kolonialisierung erkennen lässt, die die Bewegung vom Bekannten zum Unbekannten, vom Gesehenen zum Nicht-Gesehenen an die Neuinterpretation menschlicher Neugier im Zeichen einer bejahten Weltzugewandtheit koppelt, welche in den Anfängen der terrestrischen Globalisierung vor allem in den Abenteuerromanen und der Reiseliteratur ihren literarischen Ausdruck finden (Daston 2003). Knüpft die curiositas Passepartouts damit einerseits an einen frühneuzeitlichen Beobachtergestus an, der den Ursprung der Genese moderner Weltnetzwerke markiert (Latour 2009), so generiert gerade deren fahrplangesteuerte Anschlusslogik, die sich aus der Sicht des Dieners der individuellen Intervention und Kontrolle durch den Reisenden entzieht, andererseits jedoch eine phantasmatische Entgrenzung der empirischen Realität, die die reale Bewegung durch den terrestrischen Raum in der romantischen Vorstellung einer „Traumreise“ (ATW, Kap. 8, 46) aufhebt und so die Erfahrung moderner Vernetzungstechniken in ein Konnektivitätsphantasma münden lässt, das unverkennbar prämoderne Züge trägt.

Es ist daher nicht überraschend, dass Passepartouts curiositas eine spezifische narrative Handlungsstruktur begründet, die vor allem die Zonen des „Dazwischen“ des globalen Weltnetzwerks betrifft: Es ist die Neugier, die ihn wiederholt in unvorhergesehene Abenteuer verwickelt, welche den Reiseablauf zum Teil erheblich beeinträchtigen. Sie fungiert damit als Katalysator einer Narration, deren Ereignishaftigkeit sich nicht primär auf die Nutzung der Verbindungslinien des Weltnetzwerks bezieht, sondern zunächst im Gegenteil bevorzugt an dessen Knotenpunkten bzw. an Orten zutage tritt, die sich außerhalb des Netzwerks oder an dessen Rändern befinden, wobei diese topographischen Orte – wie etwa der orientalische Basar in Suez (ATW, Kap. 8, 47) oder die Pagode von Malabar Hill (ATW, Kap. 10, 64 f.) – entweder ‚Verweilorten’ für Müßiggänger entsprechen, die im Zuge der Etablierung der ‚restlosen’ Konnektivität moderner Verkehrssysteme eigentlich funktionslos geworden sind (Krajewski 2006), oder aber religiöse Stätten des Heiligen darstellen, die die geographische Reise punktuell auf eine ‚spirituelle Dimension’ im Sinne Serres’ (Serres 1974) öffnen, welche in der Regel jedoch – wie exemplarisch der in einer slapstickartigen Prügelei endende Besuch der genannten Pagode veranschaulicht (ATW, Kap. 10, 65) – nur noch im Modus ironischer Uneigentlichkeit beschworen werden kann.

Der genealogische Rückbezug zu früheren Phasen terrestrischer Globalisierung kennzeichnet auch einen weiteren Modus der Weltwahrnehmung, der paradigmatisch im Kontext des Besuchs von San Francisco zutage tritt. Auch hier findet ein Spaziergang Passepartouts durch den städtischen Raum statt, den er von einer erhöhten Aussichtsposition in den Blick nimmt (ATW, Kap. 25, 196). Die Beschreibung seiner Wahrnehmungen, die durch Kommentare des Erzählers zur historischen Stadtentwicklung ergänzt werden, folgt dabei dem Modell zeitgenössischer Städtepanoramen, die den urbanen Wahrnehmungsraum über geometrische Rasterungen und Linienkonstruktionen erschließen. Diese Konstruktionen ergeben sich einerseits aus der modernen Stadtplanung amerikanischer Großstädte mit ihren linear aneinander gereihten Häuserzeilen (ATW, Kap. 25, 196) sowie den rechtwinklig angelegten Straßenzügen (ATW, Kap. 25, 198), verweisen in der narrativen Beschreibung jedoch andererseits indirekt auf jene planimetrischen Stadtpläne, die auf diagrammatischen Rasterungsschemata beruhen, welche ihren Ursprung ebenfalls in der Frühen Neuzeit, der Gründungsepoche der terrestrischen Globalisierung haben, in der es neben linearperspektivischen Repräsentationsformen vor allem Gradnetzkarten sind, die als topographische Ordnungsdispositive fungieren und die Grundlage für die geopolitischen Expansionsdynamiken der Kolonisatoren (Schäffner 1997) wie auch für die Etablierung der Netzwerkstrukturen des Weltverkehrs in der Moderne bilden. Auch im Kontext der Beschreibung San Franciscos öffnet sich die lokale Weltwahrnehmung Passepartouts folglich auf eine Genealogie terrestrischer Globalisierung, welche auf deren Anfänge in der Frühen Neuzeit zurückverweist. Im Unterschied zu den frühen Kapiteln des Romans zeichnet sich die topographische Weltbeobachtung jetzt jedoch durch ihre konstitutive Einbindung in die topologischen Strukturen des Netzwerks aus, insofern sich die Wahrnehmung von Welt nicht mehr ausschließlich auf die sinnlich erfahrbare Wirklichkeit richtet, sondern zumindest implizit zugleich die Techniken ihrer Repräsentation, Erschließbarkeit und Sichtbarmachung einbezieht. Es ist daher nur folgerichtig, dass sich auf der Ebene der narrativen Handlungslogik des Romans zusehends eine andere Ereignishaftigkeit konstituiert, die sich nicht mehr jenseits der konnektiven Bewegungsformen des Weltverkehrs, sondern im Inneren des Netzwerks selbst verortet – wie dies exemplarisch der Indianerüberfall auf den Zug der Reisenden verdeutlicht, der zwar eine sinnfällige Störung oder Unterbrechung der konnektiven Anschlusslogik markiert, zugleich aber an die Operationalität der technischen Verkehrsmittel gebunden ist.

Beruht Phileas Foggs Verzicht auf empirische Weltwahrnehmung, wie gesehen, maßgeblich auf dem unverbrüchlichen Vertrauen in die gelingende topologische Funktionslogik der globalen Netzwerkstruktur und stellt sich ihm im Roman in Gestalt Passepartouts ein auf topographische Raumerschließung abzielendes ‚lokales Sehen’ entgegen, so nimmt der Erzähler eine dritte Position ein, die durch das beständige Oszillieren zwischen globaler Netzwerkerfüllung einerseits und lokaler Erkundung der Zwischenräume andererseits gekennzeichnet ist. Der Beginn der Reise steht im Zeichen einer auf minutiöse Exaktheit bedachten Deskription der Alltagsroutinen Phileas Foggs, die eine minutengenaue Datierung durch den Erzähler erfahren (ATW, Kap. 3, 17f.) und sich damit in eine Narration einfügen, die selbst den Charakter eines Fahrplans anzunehmen scheint, welcher die Konnektivität der Lebensabläufe des Protagonisten registriert, und wenig später die Reiseroute in Form der tabellarischen Übersicht des Morning Chronicle wiedergibt (ATW, Kap. 3, 22). Die Erzählung steht hier wie auch in zahlreichen weiteren Passus, die die exakte Raumdistanz und die zur Verfügung stehende Zeitstrecke zwischen einzelnen Knotenpunkten des globalen Weltnetzwerks verzeichnen, im Dienste der strikten Übermittlung der Regeln des Netzwerks, dessen topologische Struktur in den eigenen Verfahrenstechniken gleichermaßen offen gelegt wie auch umgesetzt wird.

Zugleich fungiert der Erzähler aber vielfach als Träger eines lokalen Weltwissens, der in Ergänzung des ‚welthaltigen’ Sehens Passepartouts ethnographische oder demographische Informationen zu den Weltregionen sowie historische Hintergrundinformationen zur Entstehung des konnektiven Netzwerks selbst vermittelt (ATW, Kap. 9, 56) und in den eigenen Beschreibungen vorüberziehender Landschaften bisweilen perspektivische Wahrnehmungsräume entwirft (ATW, Kap. 9, 60), die dem Leser durch ihre Gliederung nach Vordergrund und Hintergrund konkrete topographische Raumvorstellungen vermitteln.

Darüber hinaus besteht die Aufgabe des Erzählers darin, die Operationalität der netzwerkgebundenen Verkehrstechniken auf deren kulturpragmatische Entstehungsbedingungen zurückzubeziehen – wie dies exemplarisch die ausführliche Deskription der Mongolia (ATW, Kap. 9, 52) suggeriert, die das Schiff in narrativer Aneignung der Konnektivitätslogik, die Land und Meer in ein übergreifendes Raumkontinuum einbindet, als einen Gesellschaftskörper beschreibt, der in den unterschiedlichen Gruppen wohlhabender Schiffspassagiere die traditionelle Rechts- und Sozialordnung im Zeichen stratifikatorischer Gliederung abbildet. Mit dieser Beschreibung kontrastiert die in Kapitel 26 geleistete Deskription des Expresszuges der Pacific Rail Road, der ebenfalls als Gesellschaftskörper vorgestellt wird, welcher indes eine Steigerung der räumlichen Mobilität der Reisenden ermöglicht, die sich nicht nur im Außenraum, sondern auch im Inneren des Zuges selbst bewegen können, und der diese räumliche Beweglichkeit zudem auf die soziale Mobilität der Reisenden bezieht, insofern die modernen Großraumwagen nicht nach Klassen getrennt sind, sondern mit ihrer Unterscheidung in „Salonwagen“, „Aussichtswaggons“, „Zugrestaurants“ u.a. (ATW, Kap. 26, 207) dem modernen Prinzip funktionaler Differenzierung unterliegen. Der genealogische Rückbezug des lokal fundierten Weltwissens, das in der Beobachterperspektive Passepartouts auf die frühneuzeitlichen Ursprünge terrestrischer Globalisierung verweist, wird folglich auf der Ebene der Narration um eine weitere kulturhistorische Genealogie ergänzt, die nunmehr die zentralen sozialen Transformationsprozesse des 19. Jahrhunderts sichtbar macht.

Damit lässt sich folgern, dass sich auch auf der Erzählerebene der georäumliche parcours auf eine ‚wissenschaftliche’ Dimension öffnet, die jetzt allerdings maßgeblich durch die Vermittlung jener Pole globaler Netzwerkaffirmation und lokaler terrestrischer Raumerschließung geprägt ist, die auf der Ebene der Figuren-Weltbeobachter weitgehend getrennt bleiben. Diese Vermittlung des Globalen und des Lokalen zeigt sich in deutlichster Form in Kapitel 26, in dem nicht nur die binnenkontinentale Konnektivität der Pacific Rail Road hervorgehoben wird, die die beiden Ozeane verbindet (ATW, Kap. 26, 205), sondern die Eisenbahn, die bei der Anlegung der Trasse selbst die Gleise transportieren muss, auf denen sie sich am kommenden Tag bewegen wird, zugleich als ein geschlossenes und selbsterhaltendes Funktionssystem vorstellt, das auf die geschlossenen Energiekreisläufe moderner thermodynamischer Maschinen verweist. Der Hinweis auf die thermodynamische Operationalität der Eisenbahn kehrt wenig später erneut wieder und verbindet sich nun mit meteorologischen Reflexionen des Erzählers, der die Transformation der Wolken am nächtlichen Himmel in ein weißes „Tuch“ von Schneeflocken beschreibt, das sich in der Wahrnehmung der Reisenden seinerseits mit den aschgrauen „Dampfschwaden“ der Lokomotive verbindet (ATW, Kap. 26, 208). In der Verknüpfung des Bildes des der Lokomotive entströmenden Dampfes mit dem Bild der Wolken, die seit der lukrezischen Physik als Sinnbild des Unvorhergesehenen, des Kontingenten und des Unförmigen fungieren (Serres 1977, 85f.), bezieht der Erzähler die globale Topologie des thermodynamischen Weltnetzwerks auf jene meteorologischen Bedingungen, die die lokale terrestrische Topographie kennzeichnen. Er macht damit deutlich, dass im Zeitalter des „kinetischen Expressionismus“ jene topologische Regelhaftigkeit nicht mehr vorstellbar ist, die noch Foggs in der Tradition der klassischen Mechanik stehende „chronometrische“ Interpretation der zeitgenössischen Netzwerkstrukturen prägt, und formuliert damit das Paradigma moderner Thermodynamik, die sich durch eine grundlegende Komplementarität zwischen technischen und natürlichen Vorgängen auszeichnet (ATW, Kap. 26, 210), in der sich keineswegs die Rückkehr zu einem vormodernen, naturphilosophisch geprägten Verständnis energetischer Operationsformen, sondern im Gegenteil die Einsicht in die grundlegende Funktionsweise einer technischen Netzwerktopologie dokumentiert, die sich ihrer topographischen und meteorologischen Bedingtheit nicht zu entheben vermag.

Es ist nur folgerichtig, dass die Erzählung schließlich noch eine neue Bewegungsdynamik eröffnet, die die terrestrische Globalisierung um eine planetarische Perspektive ergänzt. Dies wird insbesondere im narrativen Nachvollzug der geographischen Wegstrecke der Pacific Rail-road deutlich, der neben horizontalen auch vertikale Bewegungsrichtungen nachbildet und damit nicht nur das filmtechnische Verfahren des movie ride, sondern ebenso jene „planetarische“ Perspektive (Bergermann 2010) antizipiert, die von aktuellen satellitengestützten Geomedien (wie Google Earth) eingenommen wird, welche auch den Zuschauer als Weltbeobachter in die eigenen Bewegungsformen einbeziehen und ihn ebenfalls in einen „bewegten Beobachter“ transformieren. Die Narration vollzieht damit endgültig den Übergang vom Modell der zweidimensionalen Karte zum Modell des dreidimensionalen Globus und begründet zugleich eine kinetische Form der Weltbeobachtung, die die Dynamik der Operationsweise des Netzwerks unmittelbar in den eigenen erzählerischen Verfahrenstechniken umsetzt.

Es lässt sich daher folgern, dass der Roman nicht lediglich die nachträgliche Deskription vorgängiger Strukturen des Weltnetzwerks leistet, sondern sich gerade in der Konfrontation divergierender Modi der Weltwahrnehmung als eine eigenständige Netzwerktechnik ausweist, die in der narrativen Vermittlung topologischer Regelhaftigkeit und topographischer Aleatorik die genealogischen Entstehungsbedingungen des globalisierten Weltverkehrs vor Augen führt  und neuartige konnektive Anschlussmöglichkeiten erschließt, die in Bezug auf die zeitgenössischen sozialen, technischen und epistemischen Vernetzungsoperationen einen eminent reflexiven Beobachtungsstatus entfalten.